EWMD - Germany
Zum Tod von Rita Süssmuth
"Wer nicht kämpft, hat schon verloren."
Mit Rita Süssmuth verliert Deutschland eine der prägendsten Stimmen für Frauenrechte, Demokratie und gesellschaftliche Teilhabe. Das Frauennetzwerk EWMD trauert um eine Frau, die Politik nicht als Machtinstrument verstand, sondern als Verantwortung, und die diese Verantwortung konsequent wahrnahm.
Rita Süssmuth hat über Jahrzehnte hinweg sichtbar und wirksam dafür gestritten, dass die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung von Frauen und Männern nicht nur ein Versprechen bleibt, sondern politische Realität wird. Ihr Einsatz für Parität, für die Rechte von Frauen, für Selbstbestimmung und Chancengleichheit war kein punktuelles Engagement, sondern ein dauerhafter, öffentlicher Kampf, oft gegen Widerstände, immer mit Haltung.
Auch das Frauennetzwerk EWMD durfte diese Haltung früh erleben. Bereits in den 1990er Jahren war Rita Süssmuth Gast bei EWMD und unterstützte das Netzwerk bei seinem zentralen Anliegen, Frauen in Führungspositionen sichtbar zu machen, zu stärken und strukturelle Barrieren klar zu benennen. Ihr Interesse an Netzwerken, Austausch und gegenseitiger Ermutigung war Ausdruck ihres Verständnisses von Gleichstellung als gemeinsamer Aufgabe.
Diese Verbundenheit setzte sie fort. Im Jahr 2008 war Rita Süssmuth Keynote Speakerin der EWMD-Deutschland-Konferenz in Bad Sassendorf. Mit ihrer Präsenz und ihren klaren Worten verlieh sie den Themen Frauen in Führung, politische Teilhabe und Verantwortung zusätzliche Sichtbarkeit und Gewicht. Sie ermutigte Frauen, Führungsanspruch nicht zu relativieren, sondern selbstbewusst einzunehmen.
Als Bundestagspräsidentin, Wissenschaftlerin und engagierte Demokratin hat sie Räume geöffnet, Debatten angestoßen und Strukturen hinterfragt. Sie behandelte Gleichstellung nicht als Randthema, sondern als Kernfrage einer gerechten Gesellschaft. Dass Frauen bis heute nicht gleichberechtigt repräsentiert sind, war für sie kein Naturzustand, sondern ein politischer Auftrag.
Rita Süssmuth war unbequem, wenn es nötig war. Sie war klar, wenn andere zögerten. Und sie blieb standhaft, auch dann, wenn Gegenwind stärker wurde. Ihr Satz „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ ist kein Rückblick, sondern ein Vermächtnis, gerade in einer Zeit, in der erkämpfte Rechte wieder stärker unter Druck geraten.
Das Frauennetzwerk EWMD verneigt sich vor Rita Süssmuth.
Wir werden sie sehr vermissen und wir werden weiterkämpfen.