Bericht zum Barcamp Men@Work in Berlin Warum Männerarbeit jetzt neu gedacht wird –
und warum Frauen unbedingt mit am Tisch sitzen müssen
1. Ein erster gemeinsamer Versuch – und sofort ausverkauft
Was als vorsichtige Annäherung begann, entwickelte eine ungeahnte Dynamik. Zum ersten Mal luden Männerinitiativen, Vätergruppen und Men-Allies-Netzwerke gemeinsam mit Frauenorganisationen zu einem Barcamp ein. Die Idee war zunächst ein zaghafter Versuch: ein Raum, in dem Männer und Frauen gemeinsam über Gleichstellung sprechen, ohne Abwehr, ohne Schuldzuweisungen, ohne fertige Antworten. Ziel war: Geschlechter-gerechtigkeit braucht die Zusammenarbeit von Frauen und Männern auf Augenhöhe
Die Resonanz zeigte, wie groß der Bedarf ist. Innerhalb kürzester Zeit war das Barcamp ausgebucht. Die Nachfrage überstieg die Erwartungen deutlich – ein Zeichen dafür, dass sich etwas verschiebt: Männer suchen Orientierung, Austausch und neue Rollenbilder, und Frauen sind bereit, diesen Prozess mitzugestalten und suchen selbst den Kontakt.
2. Was die Initiativen antreibt
Die beteiligten Männernetzwerke – darunter das Bundesforum Männer, Vätergruppen und geschlechterreflektierte Initiativen wie männer.ch – verfolgen ein gemeinsames Ziel: Gleichstellung als Chance zu begreifen.
Sie stellen sich Fragen, die lange Zeit kaum gestellt wurden:
Wie können Männer sich aus engen Rollenvorgaben lösen?
Wie gelingt Fürsorgearbeit jenseits traditioneller Männlichkeitsnormen?
Wo liegt das Wissen über Care, Empowerment und strukturelle Veränderung – und wie wird es zugänglich?
Viele Männer beginnen dort, wo Frauen vor Jahrzehnten begonnen haben: tastend, fragend, oft aus persönlicher Betroffenheit. Die Frage „Wo ist das Wissen verortet?“ tauchte immer wieder auf – ein Hinweis darauf, wie sehr feministische Expertise gebraucht wird.
3. Räume, Methoden und Suchbewegungen
Die Suchbewegung der Männer braucht professionelle Begleitung. Beispiele wie die digitalen Lagerfeuer des Vereins Vaterwelten zeigen, wie wichtig sichere Räume sind, in denen Männer Emotionen ausdrücken, Sprachlosigkeit überwinden und neue Selbstbilder entwickeln können. Die humanistische, inklusive Methode des Schweizers Markus Theubert (Vaterwelten) schafft genau diesen Rahmen: offen, unterstützend, aber nicht beliebig. Sie ermöglicht es Männern, Verantwortung zu übernehmen, ohne in alte Muster zurückzufallen.
4. Wer teilnahm – und wie das Barcamp strukturiert war
Eingeladen hatte das Bundesforum Männer, der politische Dachverband für Jungen-, Männer- und Väterarbeit in Deutschland. Gastgeber waren Dr. Marc Gärtner (internationaler Gleichstellungsreferent) und Dr. Gabriele Schambach (Universität St. Gallen). Unterstützt wurde das Format vom Harriet Taylor Mill-Institut der der Uni HWR Berlin, vertreten durch Dr. Andrea-Hilla Carl.
Unter den Teilnehmenden waren:
Diversity-Expert:innen
Coaches und Organisationsberater:innen
Vertreter:innen aus Unternehmen
Forschende und Praktiker*innen aus der Gleichstellungsarbeit
Frauennetzwerke wie BPW und EWMD
Darunter auch Dr. Petra Köppel (Synergy Consult) und die – wie viele andere – nach Austausch, Beratung und neuen Kooperationsformen suchte.
Die Struktur des Barcamps folgte dem Open-Space-Prinzip: Die Teilnehmenden brachten ihre Themen und Expertise ein, entwickelten ca. 30 Sessions spontan und arbeiteten in wechselnden Gruppen an Fragen rund um Männlichkeit, Care, Macht, Verantwortung und Zukunftsbilder von Geschlechtergerechtigkeit.
5. Warum Frauenorganisationen jetzt unverzichtbar sind
Gleichstellung gelingt nur, wenn sie als gemeinsame Aufgabe verstanden wird. Frauenorganisationen verfügen über jahrzehntelanges Wissen zu:
Netzwerkbildung
Empowerment
Care-Arbeit
struktureller Veränderung
politischer Interessenvertretung
Diversity Management in Unternehmen
Dieses Wissen wird jetzt gebraucht – nicht als Anleitung, sondern als Kooperationsangebot.
Damit Frauen nicht in einem „Kokon der Abgeschlossenheit“ bleiben, braucht es neue Formen der Zusammenarbeit:
Bilder und Stories von Power-Couples / Couples Intellectuelles als sichtbare Modelle partnerschaftlicher Führung – zwar auf der privaten Ebene – aber anerkannt und sichtbar seit Generationen – weltweit.
Gemeinsame Kampagnen, die nicht spalten, sondern verbinden
Räume, in denen Frauen und Männer gemeinsam Zukunftsbilder von Geschlechtergerechtigkeit entwickeln und eine weitere Spaltung verhindern
Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Polarisierung ist diese Zusammenarbeit entscheidend, um positive Visionen zu stärken – statt in Abwehrkämpfen zu verharren.
6. Wie es weitergeht
Das Barcamp war ein Impuls – kein Abschluss. Frauenorganisationen wie EWMD und BPW arbeiten bereits an neuen Ansätzen, um Sichtbarkeit, Kooperation und gemeinsame Visionen zu stärken.
BPW sucht ein Thema für eine bundesweite Kampagne.
EWMD brachte das Konzept der Power-Couples ein.
Die nächsten Schritte liegen klar vor uns:
Wissen teilen: feministische Expertise für Männerarbeit zugänglich machen
Allianzen bilden: Frauen- und Männernetzwerke zusammenführen
Gemeinsame Narrative entwickeln: Gleichstellung als Gewinn für alle Geschlechter erzählen
Strukturen schaffen: Räume, Formate und Moderation, die echte Transformation ermöglichen
Denn: Feminismus braucht Männer – und Männer brauchen Feminismus.
Nur gemeinsam entsteht ein neues Bild von Geschlechtergerechtigkeit – weil dieses den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht die Leistungsfähigkeit in einer Hierarchie.
Es gibt kein einzelnes, klar etabliertes gesamteuropäisches Männernetzwerk für Gleichstellung, aber es existieren mehrere relevante Initiativen, die Männer gezielt in Gleichstellungsarbeit einbinden – teils EU-finanziert, teils europaweit vernetzt. Die Landschaft ist fragmentiert, aber es gibt einige stabile Knotenpunkte.
Claudia Schmitz
(Text erstellt und mit der Hilfe von KI – Copilot Microsoft optimiert)
Kontakte Europa und Deutschland
MenEngage Europe
Das wichtigste und sichtbarste Netzwerk.
Teil des globalen MenEngage Alliance
Zusammenschluss von NGOs, Forschenden und Aktivist:innen in über 20 europäischen Ländern
EU-Politik setzt auf Gender Mainstreaming, nicht auf geschlechtsspezifische Männervertretungen
Wer nach einem Netzwerk suchst, das europäische Männer als Verbündete für Gleichstellung einbindet, ist MenEngage Europe der zentrale Ansprechpartner.
Für politische Advocacy auf EU-Ebene sind außerdem wichtig:
EIGE (European Institute for Gender Equality) – arbeitet zunehmend zu Männerrollen
European Women’s Lobby (EWL) – kooperiert punktuell mit Männernetzwerken
EU-Kommission, DG JUST – Gender Equality Unit – fördert entsprechende Projekte
Kontakte & Partner in Deutschland
Bundesforum Männer – Interessenverband für Jungen, Männer und Väter
https://www.bundesforum-maenner.de
männer.ch – Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen
https://www.maenner.ch